Archiv für April 2006

Himmlische Karaoke

April 28, 2006

Dass der Kirche die Leute weglaufen ist wohl allgemein bekannt. Dass es mittlerweile bei den Organisten eng wird, hätte ich nicht gedacht, immerhin finden die ja kaum woanders einen Job. Gott sei Dank gibt es für das in Großbritannien bestehende Problem eine Lösung: Hymnal Plus, eine Art himmlische Karaokemaschine . Die kann nicht nur bis zu 3000 Kirchenlieder und Psalme sondern bei Bedarf auch Gebete anstimmen und, – sensationell – vorproduzierte Predigten abspielen (die Info konnte ich auf der offiziellen Website aber nicht verifizieren). Und wenn die Leute bei dem Lied mal den Text nicht können gibt es die Möglichkeit über Leindwandeinblendungen die Kirche zur Karaoke Bar zu machen.
Ich bin gespannt, wann die besten Predigten per Podcast auf die Hymnal Plus übertragen werden und so auch eine Gemeinde mit schlechtem Priester seit Jahren wieder eine gute Predigt genießen darf.

westliche Werte

April 26, 2006

Ich weiß, dass 99% aller Moslems nicht so denken, ich weiß, dass 99% das genauso ablehnen wie ich. Aber das hilft mir nicht, das letzte Prozent geht mir unheimlich auf den Wecker nach Ehrenmorden, Selbstmordattentaten und Dokumentarfilmen wo türkische Jugendliche sagen „Die kann man doch beleidigen, die ist Deutsche, die hat keine Ehre“. Ist es so unverständlich wenn eine Debatte gefordert wird, welche Werte unabdingbar für unsere Gesellschaft sind? Welche Werte wir durchsetzen müssen? Aber wir müssen uns auch mit dem zweiten Schritt befassen: Was machen wir mit Menschen, die diese Werte nicht anerkennen wollen. Und Ausweisung ist da eine Möglichkeit.

Leitkultur ist ein vorbelasteter Begriff, weil er im Wahlkampf dem „Das-sind-doch-rechte-Parolen“-Reflex geopfert wurde. Aber wir brauchen Grundwerte, damit eine Gesellschaft funktionieren kann. Und wenn Menschen nicht akzeptieren können, dass man in unserer Gesellschaft nicht seine Tochter umbringen kann, weil sie unehrenhaft lebt (btw, sie lebte völlig normal nach unseren Wertevorstellungen) dann gehören diese nach Möglichkeit rausgeschmissen. Auch bevor was passiert ist. Das löst deren bescheuerte, rückständige, verkorkste Denkweise zwar auch nicht, es verlagert das Problem nur örtlich. Aber manchmal muss man wohl egoistisch sein. Diese Menschen sind nicht mehr umstimmbar, diese Menschen sind nicht umerziehbar. Sie sind für unsere Gesellschaft verloren und nur noch eine Last.

Warum ich darauf komme, warum ich mich gerade heute morgen wieder aufrege? deswegen. Man kann natürlich Diskutieren, ob eine solche Werbung nötig war. Wir wissen doch wie „die“ denken, kann man da nicht Rücksicht nehmen. Klar kann man. Man kann es auch lassen. Katholiken müssen sowas auch akzeptieren. Und sie wehren sich, wenn überhaupt, nur friedlich. Das ist ihr verbrieftes Recht. Aber mit Waffen rumzulaufen, weil einem was nicht passt, gehört nicht in unsere Gesellschaft. Und wenn das nicht in die Köpfe einiger Menschen reingeht, gehören die Köpfe wohl hinter Gitter.

1,08 Mrd. Tote durch Tschernobyl

April 25, 2006

Manchmal ist es sinnvoll, sich um Fakten zu kümmern. Und jeder wird sagen: 1,08 Mrd. Tote, nach Tschernobyl ist schwachsinn – stimmt auch. Pro Jahr sterben etwa 54Mio. Menschen weltweit, also etwa 1% der Weltbevölkerung. Multipliziert man das mit 20 kommt man auf die 1,08Mrd. Aber dass das eine Milchmädchenrechnung ist weiß jeder.

Leider drehen nicht nur in Deutschland die Menschen durch, wenn sie Kernenergie hören – ohne wirklich Ahnung zu haben. Aber es gibt ja Menschen die sich drum kümmern. Jetzt liegt der Bericht des Tschernobyl Forums vor. 100 Wissenschaftlern unter der Obhut von 6 Institutionen der vereinten Nationen. Das Ergebnis ist überraschend:

Among these workers, 28 persons died in 1986 due to ARS. Two more persons had died at Unit 4 from injuries unrelated to radiation, and one additional death was thought to have been due to a coronary thrombosis. Nineteen more have died in 1987–2004 of various causes; however their deaths are not necessarily — and in some cases are certainly not — directly attributable to radiation exposure. Among the general population exposed to the Chernobyl radioactive fallout, however, the radiation doses were relatively low, and ARS and associated fatalities did not occur.

Deutlich unter 100 Tote durch den Unfall, ein merklicher Anstieg von Schilddrüsenkrebs (dem 19 von 4000 betroffenen Kinder zu Opfer fielen). Neben den Toten derzeit wird mit etwa noch 4000 weiteren Toten gerechnet, die der direkten Verseuchung zuzurechnen sind.

Wie kommen dann andere Menschen auf die Idee, von zehn- bis hunderttausenden an Toten zu reden? Wissenschaftlich fundiert wird es nicht gewesen sein. So heißt es in einem Artikel der Welt geäußert von einem dort als Nuklear Experten bezeichneten Burton G. Bennet

Viele Berichte waren unseriös. Man kann auf solche Zahlen kommen, wenn man die Gesamtzahl aller Sterbefälle in den betroffenen Regionen nimmt

Es bleibt natürlich zu erwähnen, dass das Tschernobyl Forum selbst sagt, dass das Abschätzen sehr schwierig ist, ob nun ein Todesfall radioaktiver Belastung zuzuschreiben ist, oder etwas anderem. Ein Säufer stirbt halt daran, dass er zuviel säuft (wobei es schwer zu sagen ist, ob er das Saufen wegen Tschernobyl angefangen hat). Egal ob er in einer belastetend oder weniger belasteten Gegend lebt. Was bleibt ist die Fähigkeit Größenordnungen abzuschätzen. Und diese sind klar umrissen: hunderte, vielleicht tausende tote, definitv NICHT zehn- oder hundertausende.

Aber weil wir Menschen aufhören zu denken, wenn wir Atomkraft hören, weil wir in Panik verfallen wollen und weil wir viele Tote erwarten, glauben wir lieber die höheren Zahlen. Vielleicht werden wir irgendwann mal verstehen, dass die Belastung in vielen Gebieten um Tschernobyl herum aufgrund der Katastrophe trotzdem immer noch geringer ist, als die natürliche Belastung in einigen anderen Gebieten der Erde.

Was bleibt ist

  • Die Erkenntnis, dass man vielleicht nicht immer seinen Erwartungen glauben sollte, sondern manchmal auch den Fakten.
  • Die Ernüchterung, dass das Leid vieler Menschen durch übertriebene Angaben zur Profilierung und Lobbyarbeit missnutzt wird
  • Eine nicht von der Hand zu weisende Tatsache: Der Unfall von Tschernobyl war schrecklich, er hat das Leben vieler Menschen zerstört oder umfassend verändert.

Viele Menschen leiden noch heute unter schrecklicher Angst vor den Nachwirkungen von Tschernobyl. Diese Angst sollten wir ihnen nehmen, weil sie unberechtigt ist. Das sind wir ihnen schuldig

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April 25, 2006

Ich bin nun mal Physiker, und Physiker neigen im allgemeinen dazu, dass sie die Weltmacht an sich reißen wollen. Da ich aber klein und schwächlich bin, die USA sicher nicht zulassen, dass ich mir Nuklearwaffen beschaffe und auch meine mit Lasergeschützen ausgerüsteten Haie noch auf sich warten lassen, versuche ich es halt mit einem Weblog. Irgendwie wird man die Leute ja wohl davon überzeugen können, mich zum Weltherrscher zu ernennen. Ich arbeite zumindest dran – und was könnte da besser sein, als meine Meinung kund zu tun – über die kleinen Dinge der Welt, die so unheimlich nerven, meine pragmatischen Lösungsvorschläge und alles, was gerade mal dringend gesagt werden muss, weil mir der Kragen platzt… . Und er platzt mir häufig… . Ich geh jetzt mein Valium schlucken, ich wünsche viel Spaß beim lesen… .